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Story: Downhill Saison 2013 mit Arie Schindler
Diese Carbonschiene ermöglichte Arie die 
 Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft 
 in Bad Wildbad.
Stories
Downhill Saison 2013 mit Arie Schindler
Update #2: Leogang, Bad Wildbad, Andorra und Pila
Wir begleiten Downhill Racer Arie Schindler durch die Saison, die bisher durch Verletzungen anders anlief als geplant. Seit dem letzten Update im Juni sind wieder ein paar Monate vergangen, hier kommt Aries nächster Report:

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu und somit ist auch ein Großteil der Saison geschafft. Im letzten Update hatte ich über die Rennen in Steinach und Willingen berichtet. Wie ihr bestimmt gelesen habt, hatte ich in Willingen einen kleinen Zwischenfall, bei dem ich mich am Handgelenk verletzte.

'Nichts Wildes', dachte ich mir und so ging es eine Woche später zum ersten 2013er Event des European Downhill Cup nach Leogang. 600 Fahrer traten an und auch ich wollte nach meinem Crash in Willingen mit Punkten in die Gesamtwertung starten.

So zumindest der Plan, aber bereits im Training stellte ich fest, dass ich in der verletzten Hand absolut keine Kraft hatte. Zwar konnte ich den Lenker bei Enduro-Touren in der Woche zuvor schon gut festhalten, aber auf der anspruchsvollen Downhill-Strecke in Leogang hatte ich nicht den Hauch einer Chance sicher schnell zu fahren. Also musste ich mich wohl oder übel mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass vielleicht doch mehr kaputt war als angenommen. Nach dem Samstagstraining entschied ich mich dazu, dass ein Start bei dem enorm starken Starterfeld sinnlos wäre und fuhr schweren Herzens zurück in die Heimat.
Am Montagmorgen führte mich mein Weg direkt in die Bad Nauheimer Sportklinik, um das Handgelenk durchchecken zu lassen. Wenig später verließ ich die Praxis mit einer Gipsschiene. Eine MRT-Untersuchung hatte gezeigt, dass eine Struktur, die dem Meniskus im Knie sehr ähnelt, abgerissen war ist und auch zwei weitere Bänder der Belastung nicht standgehalten hatten. Der Arzt riet mir die Schiene mindestens drei Wochen zu tragen, damit die Verletzungen vernünftig ausheilen können.

Mit dieser Diagnose stellte sich auch eine Ernüchterung ein: drei Wochen Pause bedeuteten definitiv den Ausfall in Spicak. Auch die Hoffnung, ob das Handgelenk für die DM in Bad Wildbad 100%ig fit sein würde, war noch nicht abzusehen.

In den nächsten Wochen stellte ich mein Training auf Einheiten ohne Rad um. 'Mit viel Laufen und Krafttraining bleiben so zumindest die Beine fit', dachte ich mir. Es zeichnete sich aber ab, dass zwei Wochen nicht ausreichten, um die Verletzung ausheilen zu lassen - von einer Belastung bei einem Race ganz zu schweigen.

Aber es gab unerwarteten Support: die Jungs von Ortema haben mir eine Carbonschiene gebaut, die wirklich gut funktioniert. Nach einem Testtag in Winterberg war ich mir recht sicher, dass mit dieser Schiene an der linken Hand die Teilnahme in Bad Wildbad wieder im Bereich des Möglichen lag.
Die 1.400 Kilometer Tour zum Downhill World Cup nach Vallnord/Andorra
Die 1.400 Kilometer Tour zum Downhill World Cup nach Vallnord/Andorra
Mein Start dort sollte schlicht ein Test für meinen ersten World Cup sein, ich wollte nichts riskieren und eigentlich nur ins Ziel kommen. Im Rennlauf ging ich alles entspannt an und platzierte mich im Mittelfeld, angesichts der Umstände war das ok.

Montag morgens klingelte der Wecker dann um 7 Uhr, die 1.400 km lange Reise zu meinem ersten World Cup nach Andorra stand an. Nach dieser Vorgeschichte konnte ich es kaum glauben, dass ich die Chance bekomme mich in Vallnord mit den Besten der Besten zu messen. Nach Andorra wollte ich auf dem Rückweg auch noch den dritten EDC Lauf in Pila/Italien mitnehmen, um die Strecke in den Süden nicht doppelt zu fahren - es sollte also ein langer Roadtrip werden.

21 Stunden später kam ich in Andorra an. 'Wow, was geht denn hier ab?!', bereits am Dienstag wimmelte es vor Leuten in der Paddock-Area. Jeder war sehr damit beschäftigt, das Fahrerlager aufzubauen und eine möglichst professionelle Figur abzugeben. Nach einer entspannten Enduro-Tour wartete ich gespannt auf die Streckenbesichtigung am Mittwoch. Ich hatte schon einige Helmkamera-Aufnahmen gesehen und war recht unschlüssig über die Strecke.

Beim Trackwalk war der erste Eindruck von der Strecke nicht sonderlich schockierend. Im mittleren Drittel fing es dann langsam an wirklich anspruchsvoll zu werden, sehr technisch und streckenweise auch recht steil. Im letzten Drittel platzte dann die Bombe! Unglaublich steil und noch matschig dazu - nach geschätzt 4 Minuten Downhill dann noch so steil wie in Champery? Naja - ok, ist ja auch ein Worldcup!
Nach der Besichtigung ging es dann noch mit meinen Freunden und Trainingspartnern Sam Bull und Stefan Garlicki zum Mittagessen. Die Stimmung war recht angespannt, da jeder darüber nachdachte, wie man die Strecke möglichst schnell fahren kann und über die eine oder andere Stelle grübelte.

Am Donnerstag ging es dann los, das erste Training auf dieser abgefahrenen Strecke. Ich machte zwei Fahrten. Wegen dem recht weichen Boden machte das Handgelenk dabei weniger Probleme als erwartet. Die Helmkamera des ersten Runs sollte abends auch noch Aufschluss darüber geben, wo man noch andere Linien ausprobieren könnte und wo Raum für Verbesserungen war. Auf der dritten Fahrt hatte ich zwei leichte Stürze und schlitzte mein linkes Bein an einem der zahlreichen Schiefersteine auf. Das Nähen dauerte so lange, dass mein Training damit zu Ende war.

Am Freitag stand das zweite Training und der Qualifikationslauf an. Die Strecke trocknete zunehmend ab und ich konnte auf Trockenreifen wechseln. Auch mein Speed kam von Fahrt zu Fahrt und der Qualifikationslauf rückte näher. Das Warm-Up im Vorfeld fiel sehr ausgiebig aus, da die Strecke sehr fordernd war.

Aber dann kam wieder alles anders: Im Lauf selbst schlug der Pannenteufel zu und ich musste mich mit einem technischen Defekt geschlagen geben... so möchte man seinen ersten World Cup natürlich nicht beenden.
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Helmkamera-Aufnahmen aus Pila. Mit Videos aus den Trainingsläufen lässt sich die perfekte Linie fürs Rennen leichter finden.
Helmkamera-Aufnahmen aus Pila. Mit Videos aus den Trainingsläufen lässt sich die perfekte Linie fürs Rennen leichter finden.
Leider lies sich das Geschehene nicht mehr ändern und ich musste am Sonntag zuschauen. Der Eindruck von diesem Tag war aber grandios. Das Publikum an der Strecke war einfach der Wahnsinn! Ich hatte noch nie so eine gute Stimmung im Zielbereich erlebt, wie bei diesem Rennen. Und als dann noch Remi Thirion gewann, gingen die Franzosen richtig ab! Sein Lauf war absolut unglaublich und es schien, als würde er die Gesetze der Physik für diesen winzigen Moment außer Kraft setzen. Auch World Cup After-Race-Partys sind der Hammer, vor allem wenn Cedric Gracia sie in der eigenen Bar hostet!

Mit diesen Eindrücken im Gepäck ging es dann am Montag weiter nach Pila in Italien. Ein Abenteuerurlaub, denn meine Reise ostwärts ins 1.000 Kilometer entfernte Aostatal dauerte 27 Stunden. Wichtiger Tipp: Checkt euer Auto, bevor es auf Roadtrips geht! In der Mitte vom Nirgendwo mit zwei kaputten Reifen liegenzubleiben ist zwar ne interessante Story, aber doch sehr hinderlich, wenn man irgendwann ankommen möchte. Aber die Trails in Italien entschädigten für Alles. Zum Teil bis zu 45 Minuten reine Abfahrtszeit - der Weg lohnt sich genauso, wie ein Ausflug nach Andorra.

Die Woche vor dem Race verbrachte ich mit einigen Enduro-Touren. Am Donnerstag entschied ich mich dann dazu, die Rennstrecke im Bikepark mit dem Downhillrad abzufahren und zumindest schonmal die Sprünge zu springen.
Keine gute Idee, das Handgelenk war einfach noch zu schwach. Bei einem großen Sprung lies ich beim Landen den Lenker vor Schmerz los und hatte erneut einen massiven Crash. Dabei verabschiedete sich das Handgelenk erneut. Dementsprechend sah das Ergebnis des späteren Rennens auch nicht wirklich rosig aus... mit diesem Handicap qualifizierte ich mich zwar fürs Finale, aber eine gute Zeit war damit einfach nicht mehr drin.

Zuhause angekommen bleibt neben den Erlebnissen vor allem eine Erkenntnis hängen. Wenn man sich verletzt, sollte man daheim bleiben, bis man wieder zu 100% einsatzbereit ist. Der Sport ist so hochklassig geworden, dass es kein Sinn macht halb kaputt bei einem Rennen zu starten, bei dem es um 1/10 Sekunden geht.

Nun heißt es Pause machen und die Physiotherapie starten, um das Handgelenk wieder fit zu bekommen. Eventuell ist dann noch die Teilnahme an den letzten beiden Saisonrennen möglich. Cheers, euer Arie!


Hier findet ihr Aries ersten Report und seine Tipps für Einsteiger ins Downhill Racing. Ob Arie in dieser Saison noch einmal starten kann, könnt ihr im nächsten Update im Oktober lesen.
29.08.2013 © Arie Schindler
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