fullface.de
StoriesFilmen und FotografierenFahrtechnikMapGalleryLinksBike ABCWallpaperSpecial-fuer-einsteiger
Startseite  >  Stories  >  Gravity Sport - Himmel und Hölle nah beieinander
Story: Gravity Sport - Himmel und Hölle nah beieinander
Stories
Gravity Sport - Himmel und Hölle nah beieinander
Eine Story von Lukas Pampus über die Höhen und Tiefen seines Sports
Was soll ich sagen, dieses Jahr hake ich ab! Pech muss man irgendwann wohl einfach akzeptieren, aber man darf sich nie vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen.

Meine Faszination zum Downhill und Freeriden begann Ende 2010, als ich das erste Mal ein paar Videos im Internet sah. Ich war schon länger dem Mountainbiken verfallen und so entschloss ich mich vom All Mountain auf ein Enduro zu wechseln, ein „Rose Uncle Jimbo 2010“.

Ich fuhr des Öfteren mit zwei guten Freunden durch die Haard in NRW, unser heimisches MTB-Gebiet, und steigerte mein Können. Nach einigen Monaten merkte ich, dass auch ein Enduro mit 160mm Federweg irgendwann an seine Grenzen stößt und so machte ich mich auf die Suche nach einem bezahlbaren Freerider/Downhiller. Das gestaltete sich aber schwerer als gedacht, wenn man mein damaliges Budget von 1.500 EUR betrachtet.
Nach längerer Suche hatte ich das große Glück ein gebrauchtes Canyon Torque FRX von 2009 gegen mein Enduro zu tauschen, da der Verkäufer schon ein Big-Bike besaß und eher etwas für kleinere Touren suchte, ohne die Downhill-Tauglichkeit zu vermissen. Ich war überglücklich über mein neues Rad, welches ich mit nur 200 Euro Zuzahlung bekam. Zum Touren hatte ich ja immer noch ein Cannondale Rush von meinem Vater und mit dem Torque jetzt mein erstes Bikepark-Bike.

Dieser Tausch freute mich so richtig, da ich sehr viel Geld gespart hatte. Wenige Tage später ging es das erste Mal in den Bikepark Winterberg, unseren „Hauspark“ – wenn man die 150km Anfahrt Mal außer Betracht lässt.

Es war einfach super! Diese Federreserven, dieses Handling und ich realisierte immer mehr, dass mit so einer „Maschine“ viel mehr ging als mit meinem Enduro. So kaufte ich mir eigene Schutzausrüstung, Helm, Schuhe, Protektoren und Klamotten, alles hart von meinem eigenen Geld erspart.
Lukas und seine Freunde in Winterberg, rechts oben seht ihr das geklaute Canyon Torque FRX
Lukas und seine Freunde in Winterberg, rechts oben seht ihr das geklaute Canyon Torque FRX
Doch nach ca. 2-3 Monaten kam der Schock! Ein Freund, mein Vater und ich wollten eine 5-Tages-Reise nach Bad Wildbad starten, meiner Meinung nach die Downhill-Strecke überhaupt. Diese Abfahrt ist technisch sehr anspruchsvoll, lang und super zu fahren. Wir packten also unsere Sachen und waren voller Vorfreude. Einen Tag vor Abreise fiel mir wieder ein, dass ich mein Bike nach der letzten Schlammschlacht in Winterberg noch Mal dringend waschen musste. Ich ging also hinter unser Haus in den Garten, welcher von allen Seiten von einem großen Erdwall umringt ist, und traute meinen Augen nicht - mein Bike war weg!!!

Erst dachte ich es wäre ein Scherz von irgendjemandem, um mich kurz vor Abfahrt noch einmal richtig zu schocken, aber leider war es nicht so. Wie in Panik rannte ich durch das ganze Haus und hoffte irgendwo mein Fahrrad stehen zu sehen. „Irgendwo musste es doch sein, so etwas passiert immer nur anderen Leuten, doch nicht mir, bitte nicht!!!“, das waren meine Gedanken...

Als ich dann realisiert hatte, dass mein Fahrrad geklaut worden war, brach erst einmal eine Welt für mich zusammen. Mein hart erspartes Geld, der lange geplante, mit Freude ersehnte Urlaub. Alles war wie eine Seifenblase zerplatzt. Ich konnte einfach nicht fassen welcher Mensch einem anderen so etwas antun konnte.
Ich fuhr zur Polizei und erstattete Anzeige, ohne Erfolg. Nach einiger Zeit flatterte ein netter Brief in unser Haus: „Das Verfahren wurde aus Beweismangel eingestellt“. Ich hatte überall Suchanzeigen gestartet, im Internet, bei Freunden, Verwandten und in Supermärkten. Das Bike war wahrscheinlich schon längst in seine Teile zerlegt und verkauft.

So, was tun?! Ich sagte mir, dass ich mich durch so etwas nicht von diesem tollen Sport abhalten lassen will, zumal ich auch schon mehrere hundert Euro in Ausrüstung investiert hatte. Also schaute ich auf mein Budget und wieder waren es maximal 1.500 Euro, mehr war mit einem kleinen Ausbildungsgehalt einfach nicht drin.

Ich surfte also das Internet und jegliche Foren ab, um ein neues Bike zu kaufen, natürlich gebraucht. Nach einiger Zeit stieß ich auf ein weiteres Canyon Torque FRX von 2009, welches für genau 1.500 Euro zum Verkauf stand. Ich dachte mir: „Gut, du hast dich auf dieses Bike schon eingefahren und es hat dir alles daran gefallen, warum also nicht noch einmal kaufen?!“ Ich rief den Verkäufer an und schilderte ihm meinen tragischen Fall. Er konnte natürlich nichts anderes als sich meiner zu erbarmen und mir das Rad, das in einem TOP Zustand war, zu verkaufen.
Anzeige
Lukas und sein zweites Torque FRX
Der gebrochene Dämpfer...
...und der geplatzte Kühler
Mit etwas gemischten Gefühlen packte ich eine Woche später in unserer Garage einen großen Karton aus. Immer wieder wurde ich an mein altes Bike erinnert, doch als ich das Neue das erste Mal über unseren Hometrail jagte, wusste ich, dass das genau die richtige Entscheidung war. Mein Bauchgefühl hatte gestimmt und mit diesem Bike erschuf ich ein Mahnmal für mein altes Torque FRX - möge es friedlich im Fahrradhimmel ruhen.

Juli 2012 - wir waren das erste Mal mit dem neuen Bike in Winterberg und auch dort fühlte sich alles perfekt an... ich war ja gut auf genau dieses Big-Bike eingefahren. Im August 2012 ging es das zweite Mal nach Winterberg, aber der Tag begann schon richtig schlecht und es sollte im weiteren Verlauf noch schlimmer kommen...

Als wir früh morgens im Bikepark ankamen und unter den ersten Fahrern an der Kasse waren, tat sich erst einmal für 45 Minuten gar nichts. Die Ticket-Maschine hatte ihren Geist aufgegeben. Na toll, aber die 3/4-Stunde war auch irgendwann überstanden und mit ein bisschen Frust ging es das erste Mal auf die Strecke. Die ersten beiden Abfahrten verliefen ohne Probleme.
Nach der dritten Abfahrt merkte ich dann, dass mein Rad ein lautes Scheppern von sich gab. Was konnte das sein? Es schien aus der Richtung des Hinterbaus oder des Schaltwerks zu kommen, aber ich konnte es nicht genau lokalisieren. Oben am Lift stellte ich dann fest, dass meine Feder etwas locker war, also fuhr ich auf den Parkplatz zum Auto zurück, um sie anzuziehen. Trotzdem war das Geräusch immer noch da.

Etwas verwirrt baute ich den Dämpfer aus, um eventuell zu hören ob das Geräusch aus dem Inneren des Dämpfers kam. Ich hörte etwas, hatte aber mitten auf dem Parkplatz keine Möglichkeit den Schaden zu beheben. Ich machte mich also daran den Dämpfer wieder in den Rahmen zu setzen, aber bevor ich beide Befestigungsschrauben anziehen konnte machte es ein lautes KLONG und ich hatte zwei Dämpferteile in den Händen.

„WHAT THE FUCK?!“ war mein Gedanke und ich schaute meinen Cousin, der extra 250km gefahren war, nur um Mal mit mir zusammen zum Biken zu gehen, fragend an - dabei musste ich schon fast vor Ironie lachen...
GoPro Helm Mount: Lukas auf dem
Leihbike in Winterberg
Was sollte ich nun tun? Es war mittlerweile 14:00 Uhr, die Sonne schien, der Park war an einem Samstag gerappelt voll und ich bekam kein Leihbike mehr. Meine Freunde boten mir zwar an ein wenig auf ihren Bikes zu fahren, aber mir war der Spaß für diesen Tag vergangen.

Also stellte ich mich an die Strecke und filmte viele prägnante und schöne Stellen des Downhills mit meiner GoPro, um wenigstens noch ein bisschen aus diesem verkorksten Tag zu machen.

Auf der Rückfahrt war es erst recht still im Wagen, doch dann beschloss ich das Erlebte einfach abzuhaken und es mit ein wenig Spaß hinzunehmen, was sollte ich auch sonst machen. Wir waren noch 50km von zu Hause entfernt, da schaute ich plötzlich mit beängstigtem Blick auf meine Kühleranzeige.
Der Zeiger rauschte immer wieder in den roten Bereich. Ende der Geschichte: Geplatzter Kühler, die gelben Engel fuhren uns nach Hause. Ein jetzt völlig verkorkster Tag neigte sich seinem Ende entgegen.

„Noch viel mehr Pech konnte man in einem Jahr fast gar nicht mehr haben“, dachte ich mir - aber denkste, weit gefehlt!

Zwei Wochen später fuhren mein Kollege und ich wieder einmal nach Winterberg. Ich lieh mir extra einen teuren Downhiller, um auch mal wieder in den Genuss des Fahrens zu kommen - mein Bike war noch nicht repariert. Alles lief zunächst gut, wir waren für unsere Verhältnisse und Leihbikes schnell unterwegs und machten große Fortschritte. Nachmittags um Drei stand ich vor einem Holzdrop am Einsteig zum Funride. Es war der rechte Drop mit ca. 2m Höhe und einem nach links geneigten Absprung.
Einen Moment nicht aufgepasst:
Der rechte Drop beim Einstieg zum
Funride wird Lukas zum Verhängnis.
Lukas gleicht den schrägen
Absprung einen Tick zu stark aus
und landet mit zu viel Neigung des
Bikes zum Hang.
Naja, das nimmt man Mal eben mit, wenn man an einem Tag schon viele andere Erfolgserlebnisse gefeiert hat. Aber genau dort holte mich das Pech wieder ein...

Ich fuhr auf den Sprung zu und verpatzte ihn komplett. Ich schlug hart mit der Schulter auf den Boden - mir blieb die Luft weg, meine Rippen schmerzten, ich konnte für zwei Minuten nicht richtig atmen und stand unter Schock.

Wenig später wurde ich vom Bikepark-Personal mit einem Quad weggefahren. An dieser Stelle einmal ein Riesenlob an die Hilfsbereitschaft, den Einsatz und die Kulanz des Bikepark-Teams. Man half mir super in meiner misslichen Lage und erstattete uns sogar den kompletten Preis zurück.

Ende der Geschichte: Starke Rippenprellung, Sprengung der Gelenkkapsel in der rechten Schulter, sowie ein Muskel-Teilabriss. Jetzt stehen mindestens 3 Monate Pause auf dem Plan - und bei ganz viel Pech auch noch eine Operation.
Aber was soll's - inzwischen habe ich mir einen Vivid R2C Dämpfer für mein Canyon Torque FRX gekauft, damit ich in der langen Pause auch etwas zum Basteln habe.

Nach so viel Pech wollte ich einfach nur einmal meine Geschichte erzählen und damit sagen, dass es zwar Knüppeldick kommen kann, aber ein Satz immer bestehen bleibt: Ride on!

Ich werde trotzdem im Winter wieder aufs Rad steigen und weiter diesen tollen Sport betreiben, der zwar sehr kostenintensiv und gefährlich ist, dafür aber auch den geilsten Kick verleiht, den es gibt.


Alle Videos von Lukas, inklusive den Tagen in Winterberg und dem Crash, findet ihr in seinem Youtube-Channel unter: www.youtube.com/user/lupaxy
29.08.2012 © Lukas Pampus
<< vorherige Story nächste Story >>
Kommentare

Noch kein Kommentar vorhanden

Kommentar schreiben

Sicherheitsfrage
Wie heißt diese Website? (8 Buchstaben, checkt das Logo)
zurück zum Seitenanfang
WEITERSAGEN


Share on Google+
Pin on Pinterest

© 2017 fullface.de
www.facebook.com/fullface.de